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Ausstellungseröffnung
im Schloß der pommerschen Herzöge in Sczcecin


  Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wenn ich hier heute aufgefordert bin, der Eröffnung einer Ausstellung einige begleitende Gedanken voran zu stellen, so berührt mich das in mehrfacher Hinsicht.
Zum einen ist es der besondere Ort, der unserer Europäischen Kulturinitiative die Ehre einer Ausstellung zu teil werden lässt.
Zum anderen begleitet mich bei jedem Besuch in Ihrem Lande, in den Kunsthochschulen und auch hier in dem kulturbetonten Schloß ein Gefühl der geistigen Nähe und innerer Verbundenheit gegenüber der polnischen nationalen Plakatkunst, die auf meine eigene künstlerische Entwicklung einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt hat.
Diese Ausstellung geht zurück auf eine erste gemeinsame Plakataktion zwischen unseren pommerschen Designschulen Anklam und Szczecin in der Zeit der Beitrittskandidatur Polens zur Europäischen Gemeinschaft.
Frau Professor Maria Radomska Tomczuk, Herr Professor Grzegorz Marszalek und Herr Professor Henryk Regimowicz waren mit ihren Studenten unsere Partner. Wir wurden mit unseren Anklamer Studenten zur gemeinsamen Arbeit in der Hochschule Szczecin eingeladen und die Studenten aus Szczecin kamen in die Designschule Anklam. Dieses Studienexperiment hat damals ein noch kleines, aber sehr gutes Ergebnis gezeigt. Ein weiterer Versuch ermutigte uns bereits auch andere europäische Hochschulen zur gemeinsamen Arbeit einzuladen.
Das Ergebnis war überraschend. 150 studentische Plakate trafen im Organisationsbüro in Anklam ein.
Die Idee zur Gründung einer europäischen Plakatbiennale der Kunst- und Designschulen der Ostseeländer war geboren. Ihr eindrucksvolles, in internationalen Fachkreisen außerordentlich geschätztes Vorbild, die "Internationale Plakatbiennale Warschau" wird nicht zu übersehen sein.
Deren künstlerischer Einfluß auf Generationen von Plakatgestaltern in der Welt ist unverkennbar geworden. Inzwischen bereiten wir schon die 5. Internationale Plakat- biennale mit der Erweiterung auf alle europäischen Kunst- und Designschulen vor. Dazu ermutigt uns das sehr deutlich gewachsene Interesse, das uns von deutschen, polnischen, baltischen Schulen, aber auch aus Italien und Begien signalisiert wurde. So hatte diese Ausstellung einen unerwartet hohen Publikumserfolg im Sommer 2009 in Brüssel.
Hier im pommerschen Zentrum Szczecin ist eine vielver- sprechende Hochschule herangewachsen. Mit deren engagierter Partnerschaft dieser kontinuierliche studentische Plakat- wettbewerb sich zu einer auf die junge Designergeneration Europas orientierten Zukunftsperspektive heranbilden kann - zu einer Tradition wird. Die visuelle Kultur schafft Bindungen zwischen den Nationen. Die jungen Gestalter werden in kontinuierlichen Abständen mit Themen konfrontiert, die sie zur Identifikation herausfordern, mit denen sie erkennen lernen, dass das Plakat fern von jeder selbstdarstellenden Kunst als Kommunikationsmedium nicht neben den europäischen gesellschaftlichen Angelegenheiten entsteht, sondern direkt auf deren Entwicklungsprozesse Einfluß zu nehmen in der Lage ist.
Die Kostbarkeit eines solchen internationalen Wettbewerbs besteht natürlich in seiner phantasiereichen Vielgestaltigkeit. Das Gesamt- bild dieser kleinen Auswahl, wie sie sehen können, zeigt trotz vorgegebener Themen, die immer Einengung bedeuten müssen, große Verschiedenheit der Ideen, Gedanken und Bildauffassungen, der nationalen Kulturen und Kunsttraditionen, aber auch und vor allem der qualitativen Ansprüche an visuelle Gestaltung. Nicht zu übersehen und uns besonders wichtig, zeigen sich der jugendliche Willensausdruck und jeweils sehr individuelles Gestaltungsstreben.
Wird uns nicht gerade in dieser Weise über die Betrachtung der Einzelleistung hinaus eine vielversprechende Vision davon vermittelt, wie viel Kraft im anregenden Gedanken- und Gestaltungsreichtum in der Gemeinsamkeit gebildet wird? Dem interessierten Plakatkenner ist nicht entgangen, das Plakat spricht eine internationale Sprache.
Das fasziniert und macht deswegen solche internationalen Olympiaden, wie die studentische Plakatbiennale zu einer Erkenntnisreise in die von Sprachbarierren distanzierten Nationen. Die Zeichenhaftigkeit und Symbolträchtigkeit der Plakatsprache kommt einer wortlosen Verständigung gleich. Sie bedient sich des Ländergrenzen übergreifenden Assoziationsreichtums allgemeinmenschlicher Kommunikationsweisen aus der Erfahrungswelt der Menschheit.
Erfreulich ist es hier zu sehen, wie wissend aber auch fachgerecht die junge Gestaltergeneration diesen Erkenntnis- vorteil aufgreift und sich gestalterisch nützlich macht. Plakatsprache ist in ständiger Bewegung, erneuert sich und bleibt dadurch nach wie vor jung, geistig herausfordernd. Sie ist darum eine nützliche Sprache der Zeit. Ihr oft etwas provokanter, auch konspirativer Akzent entspricht der Jugendlichkeit.

Abschließend glaube ich doch noch auf einen Aspekt hinweisen zu müssen:
Diese Ausstellung zeigt nur einen kleinen Anteil der 220 Ein- sendungen der 4. Biennale.
Das Kuratorium hatte sich entschieden, einen kleinen Querschnitt aus den letzten 3 Wettbewerben zu zeigen, und zwar ohne den qualitativen Aspekt dabei zu betonen. Wir wollten Ihnen vielmehr auch die Vielfältigkeit der thematischen Anliegen der Biennalebewegung verdeutlichen.
Sie können erkennen, dass die Ausstellung Ihnen keine professionellen Arbeiten zeigen kann. Sie haben es mit studentischen Plakaten zu tun. Dabei ringen uns sicher einige Entwürfe bereits ein Staunen über ihr meisterliches Können und ihren hohen geistigen Anspruch ab.
Nun möchte ich noch die Gelegenheit nutzen und mich im Namen des Kuratoriums der Biennale dafür bedanken, dass wir Von Ihnen, Frau Direktor, die Möglichkeit erhalten haben, hier in diesem schönen, traditionsreichen Zentrum Pommerns ausstellen zu können. Es ist auch ein Dank der jungen Gestalter für die ehrenvolle öffentliche Bühne die sie ihnen bieten. Unser Dank gilt auch unseren sehr geachteten Fachpartnern Von der Hochschule der Angewandten Künste, Frau Rektorin Professor Maria Radomska-Tomczuk, Herrn Professor Grzegorz Marszalek und Frau Dr. Ewa Czerwinska-Romanowska für die direkte Ermöglichung dieser Ausstellung und die tatkräftige Begleitung bei ihrer Realisierung.

Prof. Otto Kummert